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Stellungnahme zur gezielten Entfernung der VERSO #tonifail-Plakate

von VERSO

Stellungnahme zur gezielten Entfernung der VERSO #tonifail-Plakate

 

 

An alle Angehörigen der ZHdK

 

Mit dieser Stellungnahme reagieren wir auf die Entfernung der VERSO #tonifail-Plakate wenige Tage vor der Eröffnung der Diplomausstellungen 2018.

 

Die Plakate von VERSO sind als Reaktion auf die #tonifail-Kampagne der Sicherheitsverantwortlichen der ZHdK entstanden. Sie wurden innerhalb der bespielbaren Zonen und sämtlichen Regelungen entsprechend angebracht[1]. VERSO hat die #tonifail-Kampagne zum Anlass genommen, mit einer künstlerischen Arbeit den Zweck und die Dienlichkeit des Toni-Areals zu befragen. Von verschiedenen Seiten wurden die VERSO-Plakate äusserst positiv wahrgenommen. Hochschulintern lösten sie eine konstruktive Diskussion aus: Dozierende, Studierende und Mitarbeitende begaben sich in Gespräche weit über infrastrukturelle Problematiken hinaus. Mit dieser Reaktion auf die #tonifail-Kampagne gelang es einer interdisziplinären Projektgruppe von Studierenden folglich, eine selbstkritische Diskussion im Toni-Areal über das Toni-Areal zu eröffnen.

 

Kritische und selbstreflexive Auseinandersetzungen werden an einer Kunsthochschule dringend benötigt. Sie sind für eine Kultur der Mitwirkung und Gemeinschaft und für eine Verbesserung der Ausbildung in den Künsten und dem Design unentbehrlich. Dieser Ansicht wird im offiziellen Leitbild der ZHdK Rechnung getragen. Darin wird als Grundsatz ein Wirken der ZHdK, welches geprägt ist von Offenheit, kritischer Neugier, Respekt und selbstkritischer Reflexion[2] festgehalten. In der Hochschulordnung wird das Leitbild explizit als verbindliche Grundlage der inhaltlichen, strategischen und operativen Ausrichtung der Hochschule genannt[3].

 

Die gezielte Beseitigung von künstlerischen und politischen Inhalten kurz vor Eröffnung der Diplomausstellung zeigt eindeutig, dass die Hochschulleitung kritische Diskurse paradoxerweise als imageschädigend statt –fördernd erachtet. Sie sieht von einem Handeln nach eigenen Idealen ab und zieht es vor, der Öffentlichkeit ein von Opportunität geprägtes Bild der Institution zu vermitteln.

 

Mit der Plakatentfernung hat die Hochschulleitung in grossem Ausmass gegen ihre eigenen Grundsätze und Reglemente verstossen sowie sich über die Prinzipien von Meinungsfreiheit[4] und künstlerischer Freiheit hinweggesetzt.

 

Wir fordern hiermit die Einhaltung von institutionell vorgesehenen Abläufen bei Entscheidungsprozessen und die Anerkennung von Entscheidungskompetenzen der verschiedenen Stellen der ZHdK, wie z.B. der Departemente. Wir fordern eine Kunsthochschule, die weder kritische Diskurse einschränkt noch davor zurückschreckt, gegenüber der Öffentlichkeit selbstkritisch aufzutreten. Wir fordern eine Kultur der gelebten Mitwirkung.

 

Euer VERSO Vorstand

 

[1] Siehe Reglement „Gestaltung von Wänden im Toni-Areal“

 

[2] Siehe Leitbild ZHdK, Grundsätze.

 

[3] Siehe Hochschulordnung der ZHdK, § 2.

 

[4] Siehe Bundesverfassung Art 16., Art 21.

 

Stellungnahme als PDF zum Download

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